Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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Donaustrudl Regensburg (Sept. 2004)
Jüdischer Straßenmusiker in der Welt zuhause



Seit über 20 Jahren verdient Alex Jacobowitz, ein 1960 in New York geborener und in Israel lebender Jude, sein Geld auf der Straße. Mit einem drei Meter langen Marimbaphon, einer Art übergroßem Xylophon auf Rollen, reist er kreuz und quer durch Europa. Durchschnittlich acht Länder klappert er jeden Sommer ab. Er kocht und betet in seinem Campingwagen, schläft auf Parkplätzen. Dabei hatten sich dem in New York ausgebildeten Orchester-Peerkussionisten und 1981 Preisträger des internationalen Nachwuchswettbewerbs von Montreal durchaus andere Alternativen geboten. Mit 24 Jahren war er zu einem Kibbuz-Aufenthalt nach Jerusalem gekommen, blieb, wurde orthodoxer Jude, heiratete, bekam eine Anstellung als Perkussionist im „Jerusalem Symphony Orchestra“ und siedelte in der Westbank. Seine Tätigkeit als Orchester-Musiker bot ihm jedoch nicht genung Freiheit und Erfüllung. So arrangierte er klassische Stücke für die Marimba um, packte sein unhandliches Instrument und machte sich auf die Reise. Er genießt die Nähe zum Publikum, die er als Solist auf der Straße hat. Zudem ist er hier sein eigener Dirigent, sein eigenes Orchester und sein eigener Intendant. Dass er mit seiner Familie (seiner Frau und den sieben Kindern) meist nur den winter verbringt, nimmt er in Kauf: Er ist, wie er sagt, mit seiner „Marimba“ verheiratet.

Bei seinen Auftritten versteht er es, die Zuhörer mit Humor und Charme und virtuoser Fingerfertigkeit in seinen Bann zu ziehen. Die vier Schlägel, jeweils zwei in jeder Hand, die er benützt wie vier Finger auf einem Klavier, wirbeln über die braunen Edelholzplatten und entlocken dem Instrument werke von Bach, Mozart und Beethoven, aber auch klassiche spanische Musik. Ebenfalls im Repertoire sind jiddische Volkslieder, Klezmermusik und Gesänge aus der Hebräischen Liturgie. Letztere konnte man auch bei zwei Konzerten (am 22. August im „dokument“ auf dem Neupfarrplatz) hören.

Nach Regensburg kam er das erste Mal so gegen 1995, um hier zu musizieren. Als orthodoxer Jude hatter er viel von der Stadt gehört, besonders von ihrer mittelalterlichen Geschichte. Zu unserem Monatsthema „Jüdisches Leben in Regensburg“ befragt meinte er: „Das jüdische Leben in Deutschland ist heute immer noch nur ein Bruchteil von dem, was in der Vorkriegszeit hier war.“ Erstaunt war eer, als er nach Regensburg kam, darüber, wie gut die Bürger ihre Stadtgeschichte kennen; auch die grausame Vergangenheit, was Regensburg mit seinen Juden getan hat: Jüdische Viertel, Grabsteine die zu Bausteinen werden, Vertriebung der Juden. „Viel mehr Leute hier kennen ihre geschichte, als die Bürger anderer Städte.“ Wer den Künstler noch nicht live erlebt hat, kann dies am 4. September nachholen. Dann ist er mit seiner „Marimba“ wieder in Regensburg, vermutlich auf seinem ”Stammplatz“, vor dem geplannten Karavan-Kunstwerk.

Christoph Kukofka