Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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Fürther Nachrichten (13.März 2002)
Virtuose auf Achse


Der Musiker Alex Jacobowitz beim Klezmer-Festival in Fürth


In seinem VW-Bus ist alles, was Alex Jacobowitz braucht: koschere Küche, Bücher, Dusche und ein Computer, mit dem er morgens die aktuellen Wetterdaten abruft. Dann fährt er los, dorthin, wo die Sonne lacht. Heute Venedig, morgen Leipzig, übermorgen Portugal. Sein Arbeitsgerät hat auf dem Verladedeck Platz: Mit seinem Trumm von einem Marimbaphon ist der gebürtige New Yorker Jacobowitz seit 20 Jahren auf den Straßen und Plätzen der Welt unterwegs.

Auf seinen Touren begleiten ihn ferner 400 Jahre Musikgeschichte: kaum etwas, was ihm nicht aufs Notenpult kommt, außer Jazz. Voraus eilt ihm der Ruf des weltbesten Virtuosen an seinem Instrument. Als „Leonard Bernstein des Marimbaphons“ gilt er, weil er mehr macht als nur mit vier Schlegeln auf sein Ungetüm einzuprügeln. „Wie Bernstein möchte ich die Möglichkeit nutzen, mit den Menschen zu kommunizieren. Einfach nur Musik machen, reicht nicht.“

Die Konzertsäle sieht er nur noch selten von innen, seit er 1993 seinen Dienst beim Jerusalem Symphony Orchestra quittierte, um fortan sein Glück auf der Straße zu suchen. „Ein geschlossener Raum muss nicht immer auch schön sein. Die Straße aber macht Lebendigkeit möglich.“ Dort stimmt das Publikum mit den Füßen ab; ist er in Form, bleibt das Fußvolk geduldig – eine Herausforderung, der sich Jacobowitz täglich stellt, und das so erfolgreich, dass seine sieben Kinder keineswegs am Hungertuch nagen. „Manche Leute denken, ein Straßenmusiker sei eine Art Bettler. Das zeugt von einem Banausentum, gegen das ich einen kleinen Krieg führe.“

Heute hier, morgen dort, mitunter auch mit längerer Verweildauer. So musizierte Jacobowitz, als Weimar 1999 Kulturstadt Europas war, ein ganzes Jahr vor dem Goethe-Schiller-Denkmal. Von Sankt Petersburg als Open-Air-Konzertort träumt er, doch dort ist es etwas gefährlich für Straßenmusiker. ”Wissen Sie, es ist nicht so leicht, mit diesem schweren Instrument davonzulaufen.“

Ungefährlicher dürfte es in Fürth zugehen. Dort spielt Alex Jacobowitz im Rahmen des laufenden Klezmer Festivals. Heute ist er in der Fußgängerzone Schwabacher Straße zu hören, morgen vor dem Jüdischen Museum (Königstraße 89), jeweils von 11.30 bis 13 Uhr und 16 bis 18 Ihr. Im Logenhaus in der Dambacher Straße 11 gibt er morgen Abend um 20 Uhr ein Konzert.

Matthias Boll