Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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Mitteldeutsche Zeitung Weißenfels (7.Okt 2000)
Marimbaphon-Virtuose

Türkischer Marsch und spanische Erinnerungen

Konzert in Weißenfelser Jüdenstraße - Percussionist und Weltenbummler Alex Jacobowitz lässt Schlegel tanzen - Wenige Zuhörer


Alex Jacobowitz an seiner Marimba. Der Gast der Weißenfelser Festwoche musizierte nach der Einweihung des Brunnens in der Jüdenstraße.

Von unserer Redakteurin Bärbel Schmuck

Weißenfels/MZ. Was macht der Alex Jacobowitz auf der Bühne, wunderten sich am Mittwochabend Fans won ihm, die den Jongleur der Töne schon in Leipzigs oder Münchens Innenstadt erlebt haben. Der schwarz gelockte Musiker mit dem Marimbaphon gehört mitten auf die Straße ins Publikum, erklärt Klaus Quarg. Der musikinteressierte Weißenfelser weiß, wovon er da spricht. Denn vor zwei Wochen hatte er den internationalen Künstler in der Leipziger Petersstraße gehört.

„Der Bürgermeister wollte, dass ich mein Instrument auf die Bühne stelle“, erklärt der Amerikaner uüdischer Abstammung, nachdem er sein ungewöhnliches Instrument, dei Marimba, in Richtung Strumpf-Scmide-Filiale schiebt und vor dem Eingangsbereich des Fachgeschäftes loslegt. Auch wenn es der weltberühmte Musiker, der seit seiben Jahren auf der Straße spielt, gewohnt ist, vor Massen in Großstädten „Klassik auf Modern“ zu präsentieren, scheint er wieder ganz in seinem Element zu sein.

Jacobowitz, der in New York studiert hat und als Percussionist dem infonieorchester in Jeruslaem angehörte, lässt vier Schlegel tanzen und entlockt seiner Marimba, jenem Stabspiel, das mit seinen Klanghälzern dem Xylohon verwandt ist, faszinierende Töne. Mal laut, dann wieder leiser und manchmal kaum hörbar. Flink und präzise wirbeln die Schlegel über die Klanghölzer. Mit Musik von Johann Sebastian Bach, Mozarts Türkoschem Marsch, Beethoven und schließlich mit „Erinnerungen an die Alhambra“ von dem Spanier Francisco Tarrega begeistert er die nur wenigen Zuhörer. ”Ich habe mein Geschäft gerne länger offen gelassen, um das Konzert nicht zu stören“, bekennt Hannelore Schmidt. ”Es war ganz wunderbar“, zeigt sich die Einzelhändlerin angetan von dem Musikerlebnis in der Jüdenstraße. Auch dem Vollblutmusiker hat es Spaß gemacht. ”Ich bin mein eigener Dirigent, mein eigenes Orchester und in meinem Einmannbetrieb auch mein eigener Intendant“, sagt er zwischen seinem Marimba-Programm.

Warum er den Platz im Orchester gegen die Straße eingetauscht hat? „Der Konzertsaal ist das teuerste Hotel der Welt geworden“, meint er etwas provokativ. ”Ich will mit meinem Publikum auf der Straße kommunizieren“, erklärt der gewitzte Virtuose. Es gehe ihm nicht um eine Art Künstler-Ego, sondern vielmehr um die Empfindungen zu musikalischen Meisterwerken von der Barockzeit bis zur spanischen Romantik. Und eben dies ihm so wichtigen Empfindungen möchte der Straßenmusiker Alex Jaocbowitz mit seinen Zuhörern teilen.