Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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Frankfurter Rundschau (14.Mai 1994)


Bach auf dem Marimbaphon

„Das kenn' ich doch.“ Eine Passantin bleibt überrascht stehen. Es ist tatsächlich Bach, was in teifen sanften Tönen auf einer Art Xylpohon in der Louisenstraße erklingt. „Das können Sie darauf spielen, ist ja toll“, staunt die Frau, und der Spieler klärt sie und die Umstehendenfreundlich über sein Instrument auf („Das heißt Marimbaphon“) und kündigt Beethoven an. Die Frau stellt ihre Taschen und Tüten ab. Seit drei Jahren zieht Alex Jacobowitz regelmäßig durch Europas Straßen, um für das Instrument und die klassische Musik zu werben – jetzt kam der 34jährige zum ersten Mal nach Bad Homburg. Begrüßt wurde er allerdings wie ein alter Bekannter: Noch ehe er zu spielen anfing, schüttelte ihm ein Bad Homburger die Hand: „Sie sind ein großer Künstler.“ Auftritte im Fernsehen, Preise und CDs künden vom Ruhm des klassisch ausgebildeten Musikers, doch die zwanglose Nähe zum Publikum lockte ihn schon vor zehn Jahren in seiner Geburtsstadt New York auf die Straße statt in Konzertsäle. Jacobowitz sieht im Marimbaphon weniger ein Schlagzeug denn ein Klavier und spielt mit vier statt zwei Klöppeln. Die schwarze Gebetskappe, die ihn als Juden ausweist, ist für Jacobowitz selbstverständlich und nicht teil einer Botschaft. Aber „vielleicht ist es gut für Deutsche zu sehen, daß nicht alle Juden Angst haben“.

(stk/FR-Bild: Hoyer)