Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
Press    English  |  German  |  Hebrew  |  Hungarian  |  Japanese |  Polish  |   Portugese
Nordbayerischer Kurier Bayreuth (19.Mär 1999)
„Du bist der Schmied - wir sind das Eisen“

Zur woche der Brüderlichkeit: Jüdische Autorenlesung und Musik im MWG

BAYREUTH

Von Dorothee Platz

Alex Jacobowitz spelt auf seinem Marimbaphon klassisch-jüdische Klezmer-Musik. In seinen musikalischen Geschichten macht er sich auf die Suche nach seiner eigenen vielschichtigen Identität. Foto: Kolb

Die Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit hat im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit mehrere Programmhöhepunkte. Einer davon war die Autorenlesung von Marta Rubinstein und die musikalische Darbietung Alex Jacobowitz im Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium (MWG).

Nachdem sie die Lesebrille gefunden und sich ihren Tee bereitgestellt hat, beginnt Marta Rubinstein aus ihrem Buch „Der Schneider“ vorzulesen. Eine dieser vier Geschichten ist eine jüdische und handlet von Jakob, einem polnischen Schneider. Jakob erlebt die Geschichte des jüdischen Volkes in unsere Jahrhundert. Er setzt sich intensiv mit seiner Religion auseinander und hat oft Schwierigkeiten, die Schicksalsschläge, die das jüdische Volk durch die Jahrhunderte hindurch erfahren hat, zu verstehen. Erst mit der Zeit beginnt er, diese Geschichte zu begreifen. Aber trotzdem fragt er immer wieder: „Warum?“ Schließlich gelangt er zu der Antwort, daß Gott der Schmied sei und das jüdische Volk das Eisen.

So wie Jakob gehe es vielen Menschen, sagt Marta Rubinstein, die mit ihren Geschichten aufrütteln möchte. Ihre Botschaft: es lohnt sich, sich mit seiner eigenen Geschichte zu befassen, denn nur dadurch lernt man die Welt zu verstehen. Die gebürtige Argentinierin lebt heute in Zürich. Ihre Geschichten könnten ein besseres Weltverständnis ermöglichen.

Den zweiten Teil des Abends gestaltet der Virtuose Alex Jacobowitz mit seinem Marimbaphon, einem Xylophon, auf dem er Klezmer-Musik spielt. Der 1960 in New York geborene Jacobowitz begann mit elf Jahren das Schlagzeugspiel, währenddessen er sich für das Marimbaphon zu begeistern begann.

Nach seiner Tätigkeit als Orchesterschlagzeuger beim Jerusalem Symphony Orchestra widmete er sich ganz dem Marimbaphon. Er reist mit seinem Instrument durch ganz Europa. Den Zugang zum traditionellen Judentum fand Jacobowitz bei einem Israelaufenthalt Anfang der 80er Jahre. Seither verbind ihn die Musik als eine Art Sprache mit Gott, erklärt Jacobowitz. Es empfinde es als seine Verpflichtung, die jüdische Tradition lebendig zu halten. Mit seinen Liedern versucht er, die wechselhafte Geschichte des jüdischen Volkes darzustellen. Als Klezmer bezeichnet man mehr den Musiker als die Musik selbst. Lieder und Gesänge sind in dier jüdischen Mystik von zentraler Bedeutung. Der Gesang befreit die Seele. Das vorrangige Ziel eines Klezmers ist es, hier als Mittler zu fungieren. Jacobowitz empfindet sich selbst als einen klassischen Klezmer.

Diese Veranstaltung der Gesellschaft dür jüdisch-christliche Zusammenarbeit im Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium war leider nur wenig besucht. Schade, denn ein solch interessanter Abend hätte mehr Zulauf verdient.