Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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Badische Zeitung (14. Sept 1998)
Zauber der Musik für die Synagoge

Gestern zugunsten des Umbaus des denkmalgeschützten Gebäudes Kirchstraße 11



EMMENDINGEN. Nur vom Wetter waren die Initiatoren -- und wohl auch manche Besucher -- beim jüdischen Fest auf dem Schloßplatz enttäuscht. Denn das war das einzige, was absolute nicht mitspielen wollte. Und weil es so frisch war, fand die Veranstaltung, für die bereits ein Podium auf dem Schloßplatz aufgebaut worden war, im Schloßkeller statt -- sicher nicht zum Nachteil so hörenswerter Auftritte wie dem von Alex Jacobowitz mit seinem Marimbaphon.

Lieber nennt er das Drei-Meter Ungetüm auf Rollen Xylophon; es ist absolut sein Instrument. Meist zwei Klöppel in jeder Hand, entlockt er ihm ganz eigene Töne: mal leise-dezent, meist aber hell, klangvoll bis perlend. Die nehmen gefangen, die Großen wie die Kleinen; auf eine weiche, warme quasi unauffällige und doch eindringliche Art; sie stören nicht einmal den Vierbeiner im Auditorium. Scheinbar mühelos macht Jacobowitz das Ganze, geht nur manchmal mit den Augen auf Instrumenten-Höhe.

Er erzählt Geschichten dazu: von der Herkunft des Instrumentes, das vor allem bei osteuropäischen Juden und in den Karpaten verbreitet gewesen sei. Er erklärt die Musik, die auch mal ein Gebet sein darf, eine Hymne oder eben selbst eine Geschichte erzählt. Und die für sich spricht, sei es klassisch oder bisweillen an die weichen Töne einer Panflöte erinnernd; ein wenig fremdländisch und doch vertraut.

Nach Emmendingen geholt haben ihn Ute und Klaus Teschemacher, nachdem sie ihn in einer Sendung des Bayrischen Rundfunks gesehen hatten und dann bei einem Aufenthalt in München trafen, wo der New Yorker im Sommer Station machte: "Und da haben wir ihn engagiert."

Das Fest hatte bereits am Samstag begonnen mit einem Tanzabend zu ganz unterschiedlicher Musik: Le Chaijim, eine dreiköpfige Klezmer-Gruppe aus Freiburg, bot Traditionnell-Jüdisches ebenso wie Russisches, stammen die Mitglider doch aus den GUS-Staaten; und sie animierten zu Gemeinschaftstänzen, während "Skinny Minny" auf die hier klassische Weise zum Tanzen einlud -- beides kam an. Almuth Ott aus Kirchzarten las zum Festausklang chassidische Geschichten.

Probleme, Helfer für dieses Fest zu finden, gab es nicht, freute sich Ute Teschemacher. 60 insgesamt waren es, die meisten aud der jüdischen Gemeinde oder aus dem Verein für jüdische Geschichte und Kultur.

Der Erlös des Festes soll dem Umbau der alten Synagogue zugute kommen, die in jenem Haus eingerichtet werden soll, das 1727 den ersten jüdischen Betsaal in Emmendingen behergergte.

Musikalischer Leckerbissen beim jüdischen Fest am Sonntag morgen im Schloßkeller: Alex Jacobowitz mit seinem Xylophon. Bild: Jahn