Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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Leipziger Volkszeitung (10. Nov 2000)
PLAUDEREI MIT ZAPFEN, SCHLEGEL, FERNWEH

Marimbaphonist Jacobowitz erzählte Geschichten


Marimbaphon und Plauderton - die Kunst des in New York geborenen jüdischen Musikers Alexej Jacobowitz erschöpft sich nicht allein in der Beherrschung seines Instruments. Hier ist er Herr über fünf Oktaven, einer chromatischen Klaviatur aus Hartholzstückchen, an deren Unterseite Metallröhren wie Eiszapfen in Reihe hängen und den Klang verstärken. Jacobowitz ist Virtuose und gewitzter Geschichtenerzähler in einer Person. Muss er auch. Denn von François Couperin und Domenico Scarlatti lässt sich nicht ohne weiteres zu Beethoven, Albéniz und Paul Smadbeck überleiten.

Die Auswahl der Stücke ist eindeutig der Machbarkeit auf dem aus Südafrika stammenden Schlaginstrument geschuldet. Zumal in den meisten Fällen der Notentext lediglich übertragen wurde und nicht bearbeitet. Die Fantasien von Mozart (KV 397) und Bach (BWV 922) beispielsweise danken es ebenso wie Francisco Tárregas für Gitarre komponiertes Arabisches Capriccio. Jacobowitz mitreißende Musikalität, frappierende Vielfalt an Klängen und Lautstärken und der Fakt, daß vier Schlegel an der Klaviatur offenbar zehn Finger ersetzen können, ist ein Erfolgsgarant, der Zugaben unweigerlich zur Folge hat und auch dem CD-Absatz am Ausgang förderlich ist. Am Ende geht es aber nicht allein darum, dem Marimbaphon eine Bresche zu schlagen oder gar neue Klangwelten zu entdecken, die bislang eingeklemmt im hintersten Orchestertutti schlummerten. Jacobowitz ist ein fahrender Geselle, dessen Lieder noch nicht gefunden haben, was sie in der Ferne suchen.

Jörg Clemen