Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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Der Tagesspiegel Berlin (1. Nov 1998)
Jongleur der Schlegel

Alex Jacobowitz mit Marimba im Centrum Judaicum

VON ROMAN RHODE

In Afrika hat sie ausgehöhlte Kürbisse als Resonatoren, in ganz Mittelamerika ist sie aus Holz gefertigt. Sie erklingt, kompakt und urtümlich, in Garküchen und an Haltestellen für Überlandbusse, auf Kirchenfesten und Geburtstagen. Hin und wieder taucht sie auch im Jazz oder bei sogenannter ethnischer Musik auf. Von der Marimba ist die Rede, jenem Stabspiel also, das mit seinen gestimmten Klanghölzern dem Xylophon verwandt ist. Alex Jacobowitz allerdings ist mit einer Konzertversion des Instruments unterwegs. Auf der Bühne im Centrum Judaicum steht ein drei Meter langes Gestell mit mächtiger Klaviatur und metallenen Resonanzröhren, das gut zwei Zentner auf die Waage bringt. "Statt zehn Fingern benutze ich nur vier Schlegel", erklärt Jacobowitz, die orthodoxen Schläfenlocken hinters Ohr gelegt. Ist das denn so wichtig? Und ob! Denn der Künstler, ein Straßenmusikant aus New York und ehemaliger Perkussionist im Sinfonieorchester Jerusalem, interpretiert auf der Marimba klassische Kompositionen für Cembalo, Klavier, Violine und Gitarre. Sein Repertoire reicht von Scarlatti, Bach oder Mozart bis hin zu Tárrega und Albéniz, vom Barock bis zur spanischen Romantik. Das instrumentelle Handicap, fehlende Pedale und nur vier "Finger", überwindet Jacobowitz ebenso spielerisch wie meisterhaft. Flink und präzise wirbeln die Schlegel über die Klanghölzer, und dabei klingt die Marimba so differenziert wie ein Piano, so füllig wie eine Orgel und so sanft wie eine Harfe. Jacobowitz wirkt, vor allem bei den Bachschen Fugen und den wilden Tremoli spanischer Gitarrenmusik, wie ein gewitzter Jongleur der Töne und Schlegel. Und es gelingt ihm fantastisch. Mit seiner Performance ist er Dirigent, Orchester und Intendant zugleich. Weil es Jacobowitz aber in die Straßen der Welt hinauszieht, steht er zudem in der Tradition der wandernden Klezmorim. Und sein auf den ersten Blick so stumpfes, grobschlächtiges Instrument - es geht wie das Messer durch die Butter.

© 1998 Verlag DER TAGESSPIEGEL