Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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Fränkischer Tag Bamberg (9. Mär 2004)
Auch Weltpremiere im Programm

Begeistertes Publikum bei 1. Klezmertagen im Bootshaus – Neuauflage 2004 geplant


Virtuos: Alex Jacobowitz am Xylophon


Gerade in den letzten zwei Dekaden hat Klezmer, die traditionelle Musik der osteuropäischen Juden, bei uns an Popularität gewonnen. Dafür steht etwa der Name des Klarinettisten Giora Feidman. Am Wochenende erlebte Bamberg seine 1. Klezmertage. Ein durchschlagender Erfolg, darin waren sich Interpreten wie Zuhörer einig.

Die Idee dazu hatte Albert Herrnleben, den viele von den Äh-Werkern und dem Travestie-Ensemble Satirium kennen. Seit Jahren schon ist er ein großer Freund des Klezmer. Bei Besuchen im Hackeschen Hoftheater zu Berlin, das sich der jiddischen Kultur verschrieben hat, lernte Herrnleben den Sänger, Schauspieler und Poeten Mark Aizikovitch kennen, den er für das Eröffnungskonzert der Klezmertage gewinnen konnte.

200 Sitzplätze fasst das Bootshaus am Hain, am Freitagabend aber wollten 270 Klezmer-Anhänger Aizikovitch und sein Quartett (Gitarre, Klavier und Geige) hören. Wie er auf der Bühne agierte und mit tiefer, sonorer Stimme jiddische und russische Lieder sang, musste man erlebt haben.

Der Samstagabend gehörte dem zwischen New York und Jerusalem pendelnden Alex Jacobowitz, auch in Bamberg kein Unbekannter, musiziert er doch oft auf dem Grünen Markt. Er fesselte mit virtuosem Spiel auf seiner „Frau“, wie der siebenfache Vater sein Instrument, das Xylophon, nennt. Auch mit Anekdoten aus dem Straßenmusikerleben und kurzweiligen (musik-)historischen Exkursen unterhielt er bestens. Er brachte überwiegend Volkslieder, Hochzeitstänze und Mystisches wie das „Shalom Aleichem“, rezitierte Gedichte und Erzählungen, die er anschließend musikalisch umsetzte. Zu seinen Vorgängern zählte er Michal Guzikow, einen polnischen Xylophonisten, der Mendelssohn begeistert und Liszt neidisch gemacht hatte. Eine kleine Melodie Guzikows durfte nicht fehlen, ebensowenig wie Johann Sebastian Bach. Mit der Air aus der D-Dur-Orchestersuite stand im Bootshaus eine Weltpremiere auf dem Programm. Mit staunenswerter Schlagtechnik übertrug Jacobowitz Bachs Polyphonie auf sein Instrument: Tosender Beifall, denn auch hier war zu spüren, dass der New Yorker seine Arbeit liebt und, wie er sagte, die „innere Botschaft der Musik“ entscheidend sei, nicht ihr äußeres Kleid.

Zum Abschluss des erfolgreichen Festivals war die Gruppe „Fialke“ angekündigt, die krankheitshalber absagen musste. Statt dessen das putzmuntere Kölner Duo „Nu“. Georg Brinkmann (Klarinetten und Gesang) und Florian Stadler begeisterten mit ihrem zwischen überbordender Vitalität und melancholischer Tristesse oszillierendem Klezmer. Als ein „Lachen durch Tränen“ hat Schostakowitsch diese facettenreiche jiddische Volksmusik bezeichnet. Im Bootshaus überwog wohl letztlich das Lachen. Brinkmann trat dabei, etwa mit der auf seine fränkischen Jahre verweisenden „Zirndorf-Suite“, auch als Komponist hervor, als gewitzter Sänger sowieso.

„Es war fantastisch. Bitte wiederholen. Da capo.“ Bleibt zu hoffen, dass dieser Kommentar einer Besucherin nicht unerfüllt bleibt. Vielleicht findet sich ja für die Neuauflage der Klezmertage ein größerer Saal, damit alle Fans Platz finden. Jürgen Gräßer