Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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CD Review Aria Jüdische Rundschau (Jun 1996)


Jüdische Rundschau - Basel, Schweiz

Die jüdische CD der Woche, Jun 1996

Alex Jacobowitz´ "Aria"

Wer ist ihm nicht schon begegnet in Basel, Zürich oder einer anderen Stadt? Wo er auf der Strasse sein Xylophon aufstellt, ist er sofort von einer Menschentruabe umringt, die ihm begeistert zuhört und applaudiert. Sein Spezialgebiet? Bearbeitungen von Klavier- und Cembalokompositionen für Xylophon. Alex Jacobowitz wurde 1960 in New York geboren. Sein Xylophonspiel erlernte er erst im relativ fortgeschrittenen Alter von 19 Jahren. Schon zwei Jahre später gewann er den "DCI Individual Keyboard"-Wettbewerb und wurde in der Folge einer der berühmtesten Xylophonisten der Welt. Während eines Kibbutz-Aufenthaltes begann er sich für das traditionelle Judentum zu interessieren. Seit 1989 wohnt er in Jerusalem. Joseph Gusikov, ein bekannter chassidischer Xylophonist des 19. Jahrhunderts, wurde sein grosses Vorbild, und so spielt er heute sowohl Werke aus dem klassischen wie auch aus dem chassidischen Bereich. Sein Spektrum ist sehr gross. Es reicht auf der vorliegenden CD, die sich auf die klassische Musik beschränkt, von den Barock-Komponisten Johann Sebastian Bach und Domenico Scarlatti über die Wiener Klassik von Mozart und Beethoven bis zu spanischen Komponisten des letzten Jahrhunderts. Besonders letztere Kompositionen sind sehr interessant. Isaac Albéniz, ein Zeitgenosse und Weggefährte Manuel de Fallas, und der etwas ältere Francisco Tárrega verwenden für ihre Kompositionen alte spansiche und andalusische Lieder und Tänze. Tárregas Komposition "Recuerdos de la Alhambra", im Original für Gitarre, ist sicher die gelungenste Bearbeitung der ganzen CD. Bei den Werken für Klavier oder Cembalo bleiben gewisse Vorbehalte bestehen. Die virtuosen, schnellen Stellen klingen grossartig. Sobald jedoch harmonische Übergänge oder lyrische und langsame Stellen dominieren, zeigen sich die Grenzen der Transkription. Durch die anderen akustischen Gegebenheiten des Xylophons entstehen teilweise klangliche Löcher, wenn durchgehaltene Töne fehlen. Auch vermag die Intonationssicherheit eines Xylophons nicht mit einem Konzertflügel Schritt zu halten. Obwohl die Pianoforte-Erzeugung von Jacobowitz ganz vortrefflich ist, fehlt es dem instrument im Forte teilweise an Fülle. So wirkt z.B. der Dur-Teil (B-Thema) aus der Sonate in A-Dur, KV 331 aus Mozarts "Alla Turca" zu wenig pompös und bietet geringen Kontrast zu den Moll-Teilen. Alles in allem handelt es sich um eine CD mit vielen populären und einigen wohltuend wenig bekannten Musikstücken in einer interessanten Instrumentation. Alex Jacobowitz ist ein Meister seines Fachs, interpretiert musikalisch sehr schön und virtuos.

Marcel Lang