Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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Freie Presse Chemnitz (Mär 1993)
Exzellentes Konzert in der Lutherkirche

Alex Jacobowitz aus New York begeistert auf Marimba
von unserem Mitarbeiter Joachim Weise

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Wer sich trotz des unwirtlichen Wetters auf den weg nach Schönau begab, ward für die Kapriolen des launischen Petrus gar reich entschädigt.

Auf seiner Europatournee hatte Alex Jacobowitz (New York) der Einladung des Kantors der Lutherkirche folge geleistet und gab im gut besuchten Gotteshaus ein Marimbaphonkonzert. Obwohl das Instrument dem Schlagwerk beigeordnet wird, plädierte der jüdische Künstler für eine differenziertere Betrachtungsweise, möchte die Marimba vielmehr zwischen Klavier und Schlagzeug angesiedelt wissen, zumal die einzelnen Hartholzstäbe klaviaturmäßig angebracht sind.

Virtuosität des Künstlers vor enormen Anforderungen
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Die Schwierigkeit für den Interpreten bestünde nun darin, so Jaocbowitz im ungezwungenen Plauderton als sein eigener Conferencier, daß er sich nicht wie der Pianist seiner zehn Finger bedienen könne, sondern mit vier Schlegeln auskommen müsse.Das stellt die Virtuosität des Künstlers vor enorme Anforderungen, besonders dann, wenn man sich nicht mit Herkömmlichem begnügt und Kompositionen auf das Programm setzt, die ursprünglich für Klavier oder Orgel geschrieben wurden.

Scon das einleitende Praeludim aus Bachs "Wohltemperiertem Klavier", Gounod später als Basis für sein "Ave Maria" dienend, ließ aufhorchen. Irgendwie wohnt diesen Klängen etwas Sanftes, miteinenader Verwobenes inne, wird man sofort des Kontrastes zu den eindeutigeren Äußerungen von Klavier und Orgel gewahr. Gern gab ich mich diesem geheimnisvollen, mit aparten Echowirkungen entzückenden Klanggeflecht hin. Dergleichen zeichnete weiterhin die Wiedergabe von Beethovens "Für Elise" und der Ecksätze von Mozarts A-Dur-Klaviersonate (KV 331) aus, wobei der Solist die Gelegenheit, sein blendendes technisches Können zu demonstrieren, voll ausschöpfte.

Spanische Folklore bestimmte das Programm mit
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In eine ganz andere Welt führte der Künstler mit zwei der spanischen Folklore entlehnten Beiträgen, von denen vornehmlich die "Erinnerungen an die Alhambra" dank ihres introvertierten, im Piano Gestus fesselten. Originell und eine schöne Geste gegenüber dem Gastgeber schließlich die Idee Alex Jacobowitz", den Schönauer Kantor zum gemeinsamen Spiel einzuladen. "Asturias" von Isaac Albeniz setzte den offiziellen Schlußpunkt der Darbietungen, denen sich willig gewährte Zugaben anschlossen.

Gelungenes Beispiel für multikulturelle Arbeit
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Über Afrika, Südamerika und schließlich New ork fand das Instrument, nunmehr nach Schönau gekommen, ein anschauliches Beispiel für vielfältige, multikulturelle Verknüpfung. Das Konzert was auch nicht zuletzt bezüglich des Interpreten ein würdigr und angemessener Nachtrag zu den "Tagen der jüdischen Kultur", die erst jüngest zum dritten Mal ein großes Publikum begeistern konnten. Erfeulich viele Interessenten nahmen im Anschluß an das Konzert eien vom Meister bespielte Kassette oder CD als musikalische Erinnerung mit nach Hause. Die nächste Veranstaltung in der Lutherkirche in Schönau ist der Familiengottesdienst am kommenden Sonntag.