Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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Badische Zeitung Freiburg 13. Sept 2006


Töne wie hingetupft

NICHT SCHRILL UND LÄRMEND

Noch immer liegt ein bisschen Sommer über der Stadt, die Menschen flanieren in Urlaubslaune und Badeschlappen, bunt, laut, fröhlich, Summer-in-the-city und Was-kostet-die-Welt-Gefühle, Sonnenbrille, Schlagerlaune. Und plötzlich wehen ganz andere, viel leisere, zartere Töne durch die Fußgängerzone. Bach. Wie hingetupft. Alex Jacobinowich steht hinter seinem riesigen Marimbafon, das er eben noch augenzwinkernd als “meine Frau“ vorgestellt hat. In die himmlische Sommerluft schickt er von leichter Hand aufgefädelte Tonfolgen, die tatsächlich über den Dingen sind. Und es dauert nicht lange, bis die ersten sommerlaunigen Menschen näher rücken, angerührt von etwas, das nicht schrill und lärmend nach Aufmerksamkeit verlangt. Hölzerne tasten und vier wattige Schlegel - mehr braucht der amerikansiche Musiker nicht, um inmitten von Straßenbahngeratter und nachmittäglichem Shopping-Geschnatter angeregte Ruhe einkehren zu lassen, andächtiges Staunen, eine winzige Auszeit. Und wer Glück hat, gerät irgendwo in der Fußgängerzone in den nächsten Tagen selbst kurz in diese tönende Parallelwelt.

Julia Littmann