Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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Mittelbayerischer Zeitung 25. Juni 2006
Heute will der Xylophonspieler Alex Jacobowitz voraussichtlich auf dem Regensburger Neupfarrplatz spielen - vorausgesetzt, das Wetter ist nicht zu heiß und damit besser für ihn und sein Instrument. Foto: Gressner

Vom Museum für Klang auf die Plätze von Regensburg

Straßen- und Konzertmusiker Jacobowitz zu Gast bei "Musica Europa"
Von CHRISTIAN GRESSNER, MZ

INNENSTADT. Wenn Alex Jacobowitz spielt, dann spielt er mindestens mit genauso viel Leib wie seele. Nicht nur seine Hände fliegen mit Windeseile über sein rund zwei Meter breites Xylophon, sondern der ganze Mensch vibriert, verzieht sein Gesicht, und die schwarzen Locken fliegen.

Beobachten kann ihn dabei jeder, denn der gebürtige New Yorker, der kurz nach seiner Ausbildung an der Ithaca School of Music in New York für ein Jahr beim Symphonieorchester in Jerusalem spielte, zieht die Straße dem Konzertsaal vor. "Dort bekomme ich viel mehr Aufmerksamkeit, und durch den ständigen Wechsel hören mich tausende Menschen, während es in einem Konzertsaal nur 200 oder 300 sind." Im übrigen, so fügt Jacobowitz an, "ist es wichtig, dass die Leute nicht nur Zuschauer, sondern Teilnehmer sind". Deswegen macht er aus seinen Vorstellungen nicht selten eine richtige Show.

Ein eleganter Konzertsaal, das Zeremoniell um teuere Karten und edle Abendmode schaffen nach Ansicht des 46-Jährigen einen Graben zwischen den Musikern und den Zuhörern. Ein "Museum für Klang", so hat er von Konzertsaal einmal genannt. Vor einiger Zeit hat er zudem ein Buch über sein Leben als Straßenmusiker geschrieben ("Reisegeschichten eines jüdischen Musikers"). Heute tingelt er zwischen München und Berlin über die Plätze Deutschlands.

Jede Störung eine Katastrophe

Im Konzert würden sich viele Besucher außerdem sofort beeinträchtigt fühlen. "Die kleinste Störung, ein Husten, das Piepen einer Uhr ist da eine Katastrophe. Auf der Straße schalten sie den Lärm einfach aus." Jacobowitz hat dann zum Beispiel auf dem Neupfarrplatz sein Publikum ganz für sich und erklärt zwischendurch die Herkunft seiner Stücke.

Meist spielt der Jude Jacobowitz dabei Klassisches, Bach oder Mozart. Aber auch traditionelle jüdische Musik wie Klezmer ist dabei. Sein Xylophon benutzt er nach eigenen Angaben wie ein Klavier.

Einziger Nachteil für den Straßenmusiker ist gelegentlich das Wetter. So wie dieser tage. Die hohen Temperaturen machen Jacobowitz zu schaffen, weil weniger Menschen in den Städten sind und weil die wenigen seltener stehen bleiben. Außerdem kann die Hitze dem hölzernen Instrument schaden. "20 bis 25 Grad sind noch schön, mehr als 30 Grad aber nciht mehr. Das Instrument klingt dann hölzerner, es singt nicht mehr so schön." So mancher Geiger würde sich beim Musizieren nicht in die pralle Sonne wagen, um dauerhaften Schaden an der Geige zu vermeiden. Doch ganz so schlimm ist es um da Xylophon nicht bestellt. "Das Holz ist viel dicker, deswegen ist es nicht so sehr betroffen." Zu hören sei die Hitze manchmal dennoch: "Bei leisen Stücken Bachs oder zum Beispiel bei Mozarts "Kleiner Nachtmusik" merkt man es."