Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer Alex Jacobowitz: Der klassischer Klezmer
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Miesbacher Merkur 28. März 2008
Miesbacher Merkur, 28. März 2008

Bad Wiessee - Er ist ein wahrer Jongleur der Töne und Schlegel, ein Zauberer der Musik - und ein Meister der Erzählkunst: Von Beginn an zog Alex Jacobowitz am Xylophon die Zuhörer in der Wiesseer Privatklinik Jägerwinkel in seinen Bann. Ein außergewöhnliches Erlebnis: Der Musiker ist einer der wenigen professionellen Xylophonsolisten der Welt.

Jacobowitz verstand es, den eigentümlich weltabgewandten Klang des Xylophons mit atemberaubender Fingerfertigkeit und klarem Spiel ins Hier und Jetzt herüberzubringen, wobei seiner Vielfältigkeit keine Grenzen fand. Hinreißend Beethovens "Für Elise", was geradezu wie ein plätschernder Wasserfall erklang. Der 1960 in New York geborene Künstler erklärte jedes einzelne Musikstück und welche Beziehung er persönlich dazu hat. Völlig in sich gekehrt trug Jacobowitz die berühmte "Mondscheinsonate" von Beethoven vor, ebenso mit weichen Klängen Mozarts "Kleine Nachtmusik". Zum Niederknien schön erklang die Bach-Kantate "Jesu bleib mein Freund" - ein Erlebnis, das sprachlos macht. Jacobowitz verstand es gekonnt und mit viel Charme, die unglaublichen Variationen seines drei Meter langen und 100 Kilogramm schweren Xylophons mit nur vier Schlegeln vor seinen Zuhörern aufzufächern. Die Besucher wussten dies auch mit entsprechendem Applaus zu würdigen.

"Wissen Sie, warum ich so gerne in Fußgängerzonen von Großstädten spiele, trotz des Riesenlärms drumherum?", fragte Jacobowitz in den Saal und lieferte die Antwort gleich selbst. "Es fasziniert mich selbst, wie ich mit meiner Musik Menschen anlocken kann, sie für einige Zeit unvorbereitet aus ihrem hektischen Alltag hole, um sie zum Innehalten zu motivieren." Das sei ihm wichtiger als irgendwo in einem großen Konzertsaal Besuchern vorzuspielen, die ihre Eintrittskarten vorher besorgt haben und mit einer gewissen Erwartungshaltung in die Veranstaltung kämen. "Reinheit, Abstand, Ehrlichkeit und Gebet sind mir wichtig, was Energie gibt und auch überträgt", bekannte der orthodoxe Jude und siebenfache Vater, der mit seiner Familie bei Jerusalem lebt.

Neben Musik der jüdischen Tradition spielte Jaocbowitz auch Tarregas "Recuerdos de la Alhambra" (Erinnerung an die Alhambra), welche vor 1000 Jahren von Juden und Moslems gemeinsam erbaut wurde. "Damals gab es noch Toleranz im gemeinsamen Gebet", sagte der Künstler traurig.

INGRID VERSEN